Einsatz in 4 Wänden - SPEZIAL

 

Die Lehmhütte von Sheban ist wirklich mehr als Renovierungsbedürftig. Sheban und seine drei Freunde starteten um 7.00 Uhr. Mit einem geliehenen Schubkarren transportieren sie den Dreck. Der Transport für eine Baggerschaufel voll Dreck dauerte ca. 4 Stunden. Die Strecke die sie 4 Mal zurücklegen mussten beträgt gut 2,5 Kilometer – aber immerhin hat er den Dreck umsonst bekommen. Diese Arbeit überließ ich den Männern und so ging ich erst am Nachmittag zu Sheban. Bevor es losgehen konnte, mussten wir das ganze Zimmer ausräumen – soooo viel gab es ja nicht zum Ausräumen, aber mittlerweile stand ja das neue Bett drinnen, welches auch drinnen blieb. Es wurde eben drumherum gearbeitet. Natürlich hätte er das Bett auch eine Woche später holen können, was weniger Umstände gemacht hätte, aber mal ehrlich – an seiner Stelle hätte ich auch keinen Tag mehr gewartet.

 

Es kamen zwei weitere Freunde und unser Projekt “Hausverschönerung” konnte starten. Der Dreck bzw. Sand wird mit Wasser vermischt. Das Wasser wird in Kanistern vom Brunnen geholt. Ca. 10 Minuten Gehzeit. Ein Kanister Frischwasser kostet 0,40 Cent, Brauchwasser 0,15 Cent. Das Ganze wird zuerst mit der Schaufel, anschließend mit den Füssen gut gemischt. Mit der Schaufel wird der Dreck in die Hütte geworfen und dann beginnt der spaßige Teil der Arbeit. Der Dreck wird einfach an die Wand geklatscht. Es erinnerte mich an eine Schneeballschlacht, nur eben mit Dreck. Hausbau ist in Kenia ganz klar Männerarbeit, so staunten die Jungs nicht schlecht, als ich meine Hände in den Dreck steckte und versuchte es ihnen gleich zu tun. Die ersten Versuche sahen nicht ganz so elegant aus (es sieht so einfach aus, aber es erfordert schon etwas Übung 😉), aber nach gut 2 Stunden hatte ich es auch drauf. Was am Anfang noch Spaß war, wurde mit der Zeit zu einer anstrengenden Arbeit. Aber das Ergebnis lässt sich sehen und Sheban ist überglücklich. 

Ganz fertig ist die Hütte noch nicht, aber da uns der Dreck ausging, machten wir Feierabend. Die Schwägerin von Sheban hatte in der Zwischenzeit für uns alle gekocht. Zuerst mussten wir uns alle Waschen. Meine erste “echte” afrikanische Waschaktion. Draußen, in einer Plastikschüssel. Für mich war es eine “Katzenwäsche”, da ich später zu Hause duschen konnte, aber für die Jungs ist diese Art von “sich waschen” alles was sie kennen.

 

An dieser Stelle muss ich einfach erwähnen: Sheban‘s Zuhause ist mein absoluter Lieblingsort hier in Malindi. Nirgends sonst fühle ich mich so wohl wie dort (abgesehen von meinem Zuhause natürlich J). Warum? Weil ich hier keine Extrabehandlung bekomme. Überall wo ich sonst hinkomme, bemüht sich jeder um mich, mir wird das Beste angeboten und alles dreht sich um mich – ich empfinde es oft als mega anstrengend und künstlich. Ganz anders bei Sheban. Hier gehöre ich einfach dazu. Hier folgt mir niemand auf Schritt und Tritt und sagt mir, wo ich mich hinsetzen soll. Ich darf mir den Kanister bzw. Den Stein selber aussuchen. Das Essen bekomme ich nicht separat auf einem Teller mit Besteck serviert, nein, ich esse aus der gleichen Schüssel wie die Anderen (damit ich etwas abbekomme muss ich aber schneller essen als sonst 😊).

An dem Abend gab es Maispampe und Fisch. Keine Ahnung woran es lag, aber zum ersten Mal schmeckte mir die Maispampe richtig gut. Vermutlich weil ich hungrig war und VIEL gearbeitet habe haha. Nach dem Essen gingen seine Freunde. Wir warteten noch auf den Elektriker – die Hütte soll ans Stromnetz angeschlossen werden. Furaha hat schon vor langer Zeit den Stromkasten besorgt und wollte die Hütte anschließen, allerdings konnten sie sich die Anschlusskosten in der Höhe von 130 Euro nicht leisten. Da es schon dunkel wurde, installierten sie nur noch die Hauptleitung vom Mast zum Haus. Es war beeindruckend, dem Elektriker zuzusehen, wie er mit seinen Spezialschuhen den Mast hinaufkletterte.