Dinner in the dark

 

 

Heute habe ich mir frei gegeben . Es ist so schön, ich kann alles selber bestimmen und bin mein eigener Boss – aber ich gebe mir auch “nur” zwei Tage pro Woche frei, so wie die Anderen hier. Frei bedeutet, dass ich nicht fürs Small Home arbeite. Doch Zeit zum “chillen” habe ich nicht viel, da ich ja nicht nur hier bin, um im Small Home zu arbeiten. Nein bin ich nicht, aber ihr erfahrt schon noch früh genug, warum ich UNBEDINGT zurück nach Malindi wollte. Und nein ... es steckt kein Mann dahinter 😉

 

Als ich gegen 19.00 Uhr nach Hause kam, wunderte ich mich, wieso das Small Home so dunkel ist. In den Häusern drumherum brannte überall Licht, nur bei uns nicht. Ich ging am Speisesaal vorbei und sah, wie eine Aunty neben einer Taschenlampe saß und die Kinder fütterte. Im nächsten Raum, der Schlafsaal der  Mädchen, versuchte eine Andere im Schein einer Petroleumlampe die Mädchen bettfertig zu machen.

 

In meinem Zimmer suchte ich nach meiner Taschenlampe. Dann fiel mir ein, dass ich eine leuchtende Discokugel (meine Schwester hatte sie mir damals, als sie noch jung und partytauglich war 😉, vom El Capitan mitgebracht – danke gal!) irgendwo im Koffer hatte. Wann würde die wohl besser zum Einsatz kommen als heute? Und ich behielt Recht 😊 Ich ging zu den Jungs und gab die Kugel Richard. Er blickte mich fragend an und begann damit herumzuspielen, als er den Knopf drückte und die Kugel in allen Farben zu blinken begann, war der Abend mehr als gerettet.

 

Ich ging in den Speisesaal und grüßte die Aunty. Dann sah ich Neema. Sie saß ganz alleine im Dunkeln am Tisch und aß. Neema braucht im Durchschnitt 70 Minuten für ihre Portion – sie ist mit Abstand die Langsamste, kann aber immerhin selber essen. Hope (ihre Arme und Beine zucken unkontrollierbar in alle Richtungen) war gerade dabei Helen (sitzt im Rollstuhl und kann nur ihre Arme bewegen) zu füttern. Als ich mit der Taschenlampe näherkam, musste ich lachen, denn es war mehr Reis  AUF Helen, statt IN Helen. Also half ich Hope.

 

Als die Mädels im Bett waren, gab es Reis und Bohnen für mich. Richard und Sifa saßen mit dem Rücken zur Wand. Ich begann mit meiner Hand vor der Taschenlampe Figuren zu machen – Schattenspiel nennt sich das Ganze. Mit abwechslungsreichen Figuren konnte ich nicht dienen, aber mein Hund, der Richard’s Kopf fraß, reichte aus, um die Jungs zu unterhalten. An diesem Abend bekam ich auch meine erste  "Zeichenspracheunterrichtsstunde”. Das ABC. Ich muss das wirklich lernen, denn Rahim (18, im Rollstuhl versteht alles was ich sage, kann selber aber nichts sagen außer BA) liebt es, wenn ich mich mit ihm über sein Zuhause und seine Freundinnen unterhalte. Unsere Gespräche bestehen aus zwei Teilen. Ich erzähle und frage ihn etwas (der einfache Teil) und er versucht dann zu antworten. Dabei bewegt er sich, verdreht den Kopf, wirft die Hände in alle Richtungen und erwartet, dass ich ihn verstehe. Jetzt liegt es an mir zu erraten, was er mir sagen will. Manchmal geht es ganz leicht, da ich ihn doch schon etwas kenne, aber ab und zu habe ich einfach keine Chance. Dann schaut er mich immer ganz enttäuscht an – glücklicherweise liege ich öfters richtig als falsch und er strahlt dann übers ganze Gesicht.

 

Zurück zum ersten „Abend ohne Strom“ – um 8.30 Uhr gingen wir alle ins Bett. Irgendwie total lustig,

sobald ich aufstehe und den Speisesaal verlasse, gehen auch alle Kinder ins Bett.